Selam Berlin

2004, detebe Diogenes Verlag AG, 381 Seiten
Deutsch
14 Jahre+
Yadé Kara (Autor/in)

Hasan muss während seines Erwachsenwerdens viele Hindernisse bewältigen. Da seine Familie für immer in seine Kindheitsstadt Berlin zurückkehrt, will er dort einen neuen Lebensabschnitt beginnen.

"Alle warteten auf die Öffnung des Brandenburger Tors …"

Zusammenfassung

In dem Roman „Selam Berlin“ (dt. „Sei gegrüßt, Berlin“), verfasst von Yadé Kara, geht es um den neuzehnjährigen Protagonisten Hasan Kazan, der sich intensiv mit sich selbst und seiner Umwelt auseinandersetzt. Seine Eltern schickten ihn und seinen jüngeren Bruder auf eine deutsche Schule in Istanbul, da sie befürchteten, dass ihre Kinder in Berlin durch westliche Einflüsse in Gefahr geraten könnten. Jahrelang pendelten die Familienmitglieder zwischen beiden Städten, bis sich die Eltern nach dem Mauerfall endgültig entschließen nach Berlin zu ziehen. Hasan schildert die Umbruchsatmosphäre, die kurz nach der Wiedervereinigung vorherrscht. Die Familie wohnt im Berliner Stadtteil Kreuzberg, wo sein Vater bereits seit mehreren Jahren ein Reisebüro betreibt. Jedoch führt das Familienoberhaupt nebenbei eine geheime Beziehung zu einer ostdeutschen Frau, die nach der Wende im Westen auftaucht und das Familienleben zerstört.

Gleichzeitig steht das Privatleben des Protagonisten im Wandel, denn über seine Zukunftspläne ist sich der Heranwachsende noch unschlüssig. Zunächst möchte er Archäologie studieren, gerät jedoch durch einen Freund in die Filmbrache. Des Weiteren ist er auf der Suche nach der wahren Liebe und ringt verzweifelt nach Anerkennung durch das weibliche Geschlecht. Im Laufe der Geschichte wächst Hasan über sich hinaus und gewinnt an Reife. Nun ist er sich über seine Zukunftspläne im Klaren und versucht, diese in die Realität umzusetzen.

Rezension

Geschickter Mix aus verschiedenen Sprachen über Heranwachsende aus Einwandererfamilien

Einordnung

„Selam Berlin“ ist ein anspruchsvoller Roman, der sich an junge Erwachsene richtet. Insbesondere Jugendliche mit türkischen Wurzeln werden dem Protagonisten Empathie entgegenbringen. Wie der Titel bereits vermuten lässt, handelt es sich hierbei um eine Sprachmischung. Zwar ist das Buch in deutscher Jugendsprache verfasst und enthält zahlreiche Ausdrücke des Szenejargons, jedoch ist es gleichzeitig ein geschickter Mix aus verschiedenen Sprachen, da immer wieder englische oder türkische Wörter bzw. Sätze auftauchen. Bei diesem Werk stehen die Sprachenvielfalt und die Mentalität von Heranwachsenden aus Einwandererfamilien im Fokus der Aufmerksamkeit.
Der Verlag spricht für das Buch eine Altersempfehlung ab 15 Jahren aus. Diese Einstufung ist durchaus gerechtfertigt, da der Text bei näherer Betrachtung komplexe Strukturen auf verschiedenen Problemebenen aufweist.
Im Jahre 2004 wurde „Selam Berlin“ von Nafer Ermiş ins Türkische übersetzt (İnkılâp, Istanbul).

Einblick in die Gefühlswelt von jungen Menschen mit Migrationshintergrund

Bewertung

Der türkischstämmigen Autorin ist mit ihrem Roman eine Zeitreise in eine Ära unmittelbar kurz nach dem Mauerfall gelungen. Dabei findet sich der Protagonist zwischen Wiedervereinigungseuphorie und Gleichgültigkeit wieder. Das vereinigte Berlin birgt nicht nur neue Chancen, sondern auch Gefahren in sich. Dabei spielt das Buch mit klischeehaften Vorurteilen, die wiederum verworfen werden. Es werden gegensätzliche Positionen aufgezeigt. Zum einen der Kampf der Kulturen und zum anderen die Auseinandersetzung zwischen den sozialistischen und kapitalistischen Ideologien. Während dem ständigen Schlagabtausch der unterschiedlichen Ansichten befindet sich Hasan immer wieder zwischen den Fronten.
Eines der zentralen Thematiken ist die Identitätsfindung. In unserer multikulturell geprägten Gesellschaft bekommt die Leserschaft einen ausgezeichneten Einblick in die Gefühlswelt von jungen Menschen mit Migrationshintergrund. Für den Unterricht eignet sich der Roman sowohl zur Schulung der Multiperspektivität, als auch zur Behandlung von unterschiedlichen Themen aus der Lebenswelt der Schüler(innen).

Auszeichnungen

Deutscher Bücherpreis Adalbert-Chamisso-Förderpreis

Schlagworte

Freundschaft Liebe Identität Familie Mauerfall Sprachmischung