Hier kommt Lola

2014, Loewe Verlag GmbH, 192 Seiten
Deutsch, Portugiesisch
8 Jahre+
Isabel Abedi (Autor/in), Dagmar Henze (Illustrator/in)

Lola zieht mit ihren Eltern nach Hamburg. Dort kommt sie in eine neue Schule, in der sie versucht, eine neue beste Freundin zu finden. Doch das ist gar nicht so leicht...

"Mein richtiger Name ist Lola Veloso …"

Zusammenfassung

Lola zieht mit ihren Eltern nach Hamburg, damit ihr brasilianischer Vater nicht mehr diskriminiert wird. In Hamburg lebt Lola mit ihren Eltern, ihren Großeltern und ihrer 80 Zentimeter großen Tante zusammen in einem Haus. Nachts, wenn Lola nicht schlafen kann, ist sie ein Rock Star und furchtbar beliebt. Als Jacky Jones hat Lola ein paar Millionen Fans und kann sich jeden Wunsch erfüllen. Anders ist es jedoch in ihrer neuen Schule. Dort hat Lola zunächst keine Freunde, dabei ist ihr größter Wunsch eine beste Freundin zu haben. Doch neben Lola sitzt diese komische Flo, die entsetzlich nach Fisch stinkt. Als Lola den Mut fasst, Annalisa einzuladen, endet der Nachmittag in einem Desaster. Lola hat sich ausgesperrt, ihren Vater nackt im dunklen Badezimmer eingesperrt und Tante Lisbeth isst Annalisas langweilige Polly Pocket Puppe. Doch dann kommt Lola eine geniale Idee. Sie schickt ihren Wunsch in den Himmel und erhält eine Flaschenpost von einem Mädchen, welches in Hamburg wohnt. Lola möchte sich gerne mit ihrer geheimnisvollen Freundin treffen, doch diese existiert nicht. Lola erfährt, dass Flo ihre Brieffreundin ist, welche anonym mit Lola geschrieben hat. Beide werden beste Freundinnen und treten zusammen in dem Restaurant von Lolas Vater als Jacky Jones und Stella Star auf.

Rezension

Sprachmischung von Deutsch und Portugiesisch zum Thema Integration

Einordnung

Das Kinderbuch "Hier kommt Lola" ist ein mehrsprachiges Kinderbuch, mit einer Sprachmischung von Deutsch und Portugiesisch. Dabei macht der portugiesische Sprachanteil allerdings nur einen sehr geringen Anteil aus. Zur Mehrsprachigkeit kommt es durch Lolas multikulturelle Familie. Das Sprechen einer Fremdsprache wird als sehr positiv vermittelt, da Lola Portugiesisch spricht und dies als großen Vorteil empfindet. Für Lola ist Portugiesisch eine Art Geheimsprache, die nur ihr Vater und sie verstehen, selbst ihre Mutter spricht diese Geheimsprache nicht.
Im Fließtext tauchen immer wieder portugiesische Einschübe auf, wie z.B. das Wort "Papai" (S.17). Es wird anschließend mit Papi übersetzt, zudem wird erklärt, wie es ausgesprochen wird: "Papei" (S.17). Im weiteren Verlauf des Buchs wird dieses Wort weiter verwendet.
Lola wächst in einer multikulturellen Familie auf, was nicht immer leicht für sie ist. Zu Beginn der Geschichte erfahren wir, dass die Familie nach Hamburg in eine große Stadt zieht, da Lolas Vater diskriminiert wurde. In der kleinen Stadt gab es wenig Menschen mit dunkler Hautfarbe und dies stellte sich als großes Problem heraus. "Die Frau im Supermarkt hat immer ein Gesicht gemacht, als hätte sie gerade in eine grüne Zitrone gebissen, wenn Papai an die Reihe kam" (S.19). Nachdem an die Hauswand "Neger gehören in den Urwald" (S.19) gepinselt worden war, zog die Familie um. Lola freut sich, dass in Hamburg viele Menschen mit dunkler Hautfarbe wohnen.
So wird im Buch das Thema Ausländerfeindlichkeit aufgegriffen. Dabei spielt selbstverständliche Akzeptanz gegenüber Ausländern eine große Rolle. Aus der kindlichen Perspektive Lolas ist es völlig unbegreiflich, warum ihr geliebter Papai nicht akzeptiert wird.
Ein großes Thema im Buch sind Vorurteile, nicht nur gegenüber Lolas Vater. Auch Lola selbst hat zunächst Vorurteile, jedoch nicht gegenüber Ausländern, sondern ihrer nach Fisch stinkenden Sitznachbarin gegenüber. Nur durch einen Trick, in dem Flo Lola unter einem andern Namen Briefe schickt, werden sie beste Freundinnen. Zum Ende erkennt Lola, dass Flo ihre Brieffreundin ist und beide werden im echten Leben Freunde.
In dem mehrsprachigen Kinderbuch "Hier kommt Lola" wird also auf mehreren Ebenen das Thema Integration behandelt, da Lolas Vater in der alten Stadt diskriminiert wird, sie sich in eine neue Schulklasse integrieren muss und weil sie es schafft, ihre Vorurteile zu beseitigen. Zusätzlich erfährt der Leser/die Leserin zwischendurch Dinge über die brasilianische Kultur.

Überwindung eigener und fremder Vorurteile auf erfrischende und lustige Art

Bewertung

Lola erzählt sehr lustig und abwechslungsreich aus ihrem Alltag. Das Buch ist aus der Perspektive eines kindlichen Ich-Erzählers geschrieben, wodurch es einfach wird, sich in Lola hineinzuversetzen. Durch diese Erzählperspektive wird uns Lolas Welt auf eine naive und humorvolle Art gezeigt. Lola ist jedoch nicht nur Lola, sondern nachts Jacky Jones, ein berühmter Rock Star. Lola baut sich in ihrer Phantasie eine Parallelwelt auf, die es ihr ermöglicht ihren Alltagsproblemen zu entkommen.
Jedoch ist „Hier kommt Lola“ nicht nur ein lustiges Kinderbuch, sondern eines, das sich gleichzeitig mit wichtigen Themen unserer Gesellschaft auseinandersetzt. Lola berichtet über Ausländerfeindlichkeit, da ihr Vater stark diskriminiert wird, und über Vorurteile gegenüber Fremden. Sie findet zunächst ihre Sitznachbarin in der Schule doof, obwohl sie sie gar nicht kennt. Und sie befasst sich sehr intensiv mit dem Thema Freundschaft, da sie sich nichts sehnlicher wünscht, als eine beste Freundin in der Schule zu haben. Alle diese Themen werden jedoch nicht pädagogisch mit erhobenem Zeigefinger behandelt, sondern Lola macht dies auf eine kindliche, erfrischende und lustige Art. Trotzdem wird nichts übertrieben lächerlich dargestellt.
Insgesamt ist „Hier kommt Lola“ also ein sehr gelungenes mehrsprachiges Kinderbuch.

Medien

Filmausschnitt

Auszeichnungen

Auswahlliste Kalbacher Klapperschlange 2005 Paderborner Hase 2006 Nordstemmer Zuckerrübe 2007

Schlagworte

Familie Integration Interkulturalität Mädchen Humor Sprachmischung