Die Wut der kleinen Wolke – Eine Geschichte aus der Wüste

2011, Edition Orient, 28 Seiten
Arabisch, Deutsch
5 Jahre+
Habib Mazini (Autor/in), Imke Ahlf-Wien (Übersetzer/in), Alexis Logié (Illustrator/in)

Die kleine Wolke sieht: Die Wüstenmenschen leben beschwerlich. Also sorgt sie für Regen. Doch bei ihrem nächsten Besuch herrscht Krieg. Den Flüchtlingen kann sie nun nur noch Schatten spenden.

„Kummer macht ihr das Herz schwer. Es macht sie traurig, dass die Erde solche Härten ertragen muss.“

Zusammenfassung

Vom Himmel aus betrachtet die kleine Wolke die Menschen, Tiere und Pflanzen auf der Erde. Eines Tages wird sie vom Wind in Richtung Süden getrieben, wo sie bisher noch nie war. Die kleine Wolke ist überrascht von der Dürre in dieser Gegend. Sie entdeckt eine trockene und durstige Pflanze, die sie mit einem kleinen Tropfen aus ihrem Wasserspeicher neu belebt. Als sie ein von Menschen bewohntes Gebiet überfliegt und die armseligen Häuser und hungernden Kinder entdeckt, wird die kleine Wolke so wütend, dass sie anfängt zu weinen. Eine Träne landet dabei auf dem Kopf eines Kindes, das vergebens hofft, dass es endlich anfängt zu regnen.

Die kleine Wolke beschließt, die Regenwolken zu rufen. Obwohl die großen schwarzen Wolken ihr eigentlich Angst einflößen, macht sich die kleine Wolke auf eine lange Reise auf und berichtet am Ziel ihrer Wanderung den anderen Wolken vom Leid der Menschen in der Wüste. Davon sind die Regenwolken so betroffen, dass sie mit der kleinen Wolke in den Süden aufbrechen. Doch die Reise wird durch den Wind zum Geduldspiel: mal lässt er sie auf der Stelle stehen, mal bläst er sie in die falsche Richtung. Doch als sie den Süden endlich erreichen, öffnen die Regenwolken ihre Bäuche und lassen es regnen. Die Kinder lachen und spielen in den Pfützen, während die Erwachsenen das Wasser für die Äcker nutzen.

Nach vielen Jahren möchte die kleine Wolke den Süden wieder besuchen. Sie ist zuversichtlich, dass es den Menschen dort gut geht. Doch als sie ankommt, kann sie ihren Augen kaum trauen. Die Bewohner der Wüste fliehen in Scharen vor dem Krieg. Die Hütten sind zerstört, Rauch steigt auf, Vieh wird von flüchtenden Menschen hinter ihnen hergezogen, Kinder hungern und andere suchen in den Menschenmassen nach ihren Verwandten. Fassungslos fliegt die kleine Wolke weiter und trifft auf eine Gruppe von Frauen mit Kindern. Alles, was sie tun kann, ist, sie zu belgeiten und ihnen Schatten zu spenden, bis sie an einen sicheren Ort gelangen.

Rezension

Parallelübersetzung zu Themen wie Dürre und Krieg

Einordnung

Die arabisch-französische Originalausgabe des Bilderbuches erschien in Marokko 2005 unter dem Titel „La colère de P`tit nuage“. Erst danach wurde die Geschichte von Imke Ahlf-Wien aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt und erschien 2011 unter dem Titel „Die Wut der kleinen Wolke. Eine Geschichte aus der Wüste“ in der Parallelübersetzung Deutsch-Arabisch.

Der deutsche und arabische Text werden abwechselnd nebeneinander und untereinander abgebildet. Die Form und Position der Texte ist dabei an die Illustrationen der Seiten sowie an die Dynamik der Geschichte angepasst. Die Texte befinden sich meist innerhalb einer Wolke oder schlängeln sich an zwei Motiven, die sich auf der Erde befinden, vorbei.

In der Geschichte um die kleine Wolke werden Themen wie Ungerechtigkeit, Hunger- und Dürrekatastrophen sowie Krieg und Flucht behandelt. Dies bietet viel Spielraum zur Anschlusskommunikation, da sie Thematiken aufgreift, die besonders im jungen Alter viele Fragen aufwerfen.

Eine kindgerechte, aber authentische Heranführung an die Realität

Bewertung

Es erscheint zunächst kurios, wenn das Kinderbuch das erste Mal aufgeschlagen wird: die Seiten werden nicht wie bei einem westlichen Buch von links nach rechts oder wie bei einem arabischen Buch von rechts nach links geblättert, sondern das Bilderbuch wird um 90 Grad gedreht und wie ein Kalender von unten nach oben aufgeschlagen. Was zunächst als sonderbar erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Kompromiss, da weder deutsch- noch arabischsprachige Leser und Leserinnen das Bilderbuch „falsch herum“ lesen müssen.

Doch selbst wenn von der Aufmachung des Buches abgesehen wird, ist „Die Wut der kleinen Wolke“ kein typisches Kinderbuch. Es wird keine bilderbuchtypische Geschichte mit einem Happy End erzählt, sondern der Autor lässt die kleine Wolke nach einigen Jahren an den Ort des Geschehens zurückkehren und erkennen, dass es den Menschen schlechter als zuvor ergeht und dies aufgrund einer durch Menschen entstandenen Katastrophe: dem Krieg. Durch die distanzierte Perspektive der kleinen Wolke auf das Geschehen von Oben, die die Ereignisse nicht aus der unmittelbaren Sicht der Flüchtlinge beschreibt, können geographische, ethische und weltpolitische Probleme bereits mit Kindern ab fünf Jahren behandelt werden.

An einigen deutschen Phrasen lässt sich erkennen, dass die Geschichte um die kleine Wolke aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt wurde. So wird die übliche Redewendung „als würde es aus Eimern regnen“ aus dem Deutschen mit dem weniger vertrauten „als ließe der Himmel Maiskörner zu Boden prasseln“ übersetzt. Dies gibt jedoch die Möglichkeit, sich mit den Eigen- und Besonderheiten der jeweiligen Sprache und Kultur auseinanderzusetzen.

Schlagworte

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