Damals war es Friedrich

2018 (67. Aufl.), Erstauflage 1961, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, 176 Seiten
Deutsch, Hebräisch
14 Jahre+
Hans Peter Richter (Autor/in)

Das Jugendbuch erzählt die Geschichte zweier Jungen zur Zeit des Nationalsozialismus. Friedrich, einer der beiden, ist Jude. Dieser Umstand stellt ihre enge Freundschaft auf eine harte Probe.

„Zeig dich nicht mehr so oft mit Schneiders Sohn auf der Straße.“

Zusammenfassung

Zwei Jungen wachsen 1925 im selben Mietshaus in Deutschland auf. Da sie im gleichen Alter sind, freunden sie sich schnell an. Durch den häufigen Kontakt der Kinder entwickeln auch ihre Eltern ein sehr vertrautes Nachbarschaftsverhältnis. Friedrich Schneider, einer der beiden Jungen, und seine Familie sind Juden. Doch weder für seinen Freund, der nicht namentlich genannte Ich-Erzähler der Geschichte, noch für dessen Eltern ist das ein Problem.

Zu dieser Zeit gibt es bereits einige Vorurteile gegenüber Juden. Als Hitler 1934 Staatsoberhaupt wird, nimmt die Judenverfolgung immer mehr zu und verändert das Leben aller Menschen. Auch für die befreundeten Familien wandeln sich die Lebensumstände. Vor allem für Friedrich und seine Eltern beginnt eine schlimme Zeit, welche das enge Verhältnis der beiden Familien auf eine harte Probe stellt. Der Ich-Erzähler tritt in das Deutsche Jungvolk ein, ohne die dort vertretende Ideologie genau zu kennen, während sein Vater Parteimitglied der Nationalsozialisten wird, um nach langer Arbeitslosigkeit wieder einen Job zu bekommen.

Die Einschränkungen, mit denen die Juden leben müssen, verschärfen sich von Kapitel zu Kapitel. Die beiden Jungen sind weiterhin befreundet, dennoch treten vermehrt schwierige Situationen auf. Der Ich-Erzähler ist an der Verwüstung einer jüdischen Wohnung beteiligt, wobei ihn sein Mitwirken bei dieser Tat im Nachhinein selbst sehr schockiert. Friedrichs Mutter stirbt an einer Krankheit und als Herr Schneider eines Tages von Nazis abgeholt wird, ist Friedrich schlussendlich auf sich alleine gestellt. Er flieht, kehrt jedoch ein letztes Mal in das Mietshaus zurück, um ein Bild seiner Eltern zu holen. Bei diesem Vorhaben überrascht ihn ein Bombenangriff. Gemeinsam mit seinem Jugendfreund will sich Friedrich in den privaten Luftschutzbunker des Mietshauses retten. Sein alter Vermieter verwehrt ihm jedoch aufgrund seiner jüdischen Herkunft den Zutritt. Ungeschützt kommt Friedrich durch eine Bombe ums Leben.

Rezension

Integrative Mehrsprachigkeit zum Thema Antisemitismus

Einordnung

Hans Peter Richter gibt in seinem Jugendbuch „Damals war es Friedrich" Einblicke in das Judentum, das Leben von Juden und deren Verfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus.

Der Roman ist durchgängig auf Deutsch verfasst. Eine Ausnahme bilden nur vereinzelt vorkommende hebräische Ausdrücke, deren Bedeutung im Text jedoch erklärt wird. Darüber hinaus finden sich im Anhang ausführliche Erläuterungen und Übersetzungen zu jedem hebräischen Begriff. Neben dem Deutschen wurde das Jugendbuch von Hans Peter Richter in zahlreiche andere Sprachen übersetzt.

Die Auseinandersetzung mit dem Werk „Damals war es Friedrich“ kann dazu beitragen, die Wertschätzung für andere Sprachen und Kulturen sowie das Bewusstsein für eine vielfältige Gesellschaft zu fördern.

Umstrittener Schulbuchklassiker

Bewertung

„Damals war es Friedrich“ ist erstmals im Jahr 1961 erschienen und eins der ersten Jugendbücher, das das Thema der Judenverfolgung in Deutschland behandelt. Es wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Mildred-Batchelder-Award der American Library Association für das beste in Amerika veröffentliche Jugendbuch eines nichtamerikanischen Autors. In Deutschland gehört es zum Kanon der Schullektüre und erschien 2018 in der 67. Auflage.

Doch das Jugendbuch von Hans Peter Richter ist nicht unumstritten. Die deutsche Literaturwissenschaftlerin Ulrike Schrader betont in der Fachzeitschrift Praxis Deutsch (1995/2005), dass Richters Jugendbuch nicht mehr dem aktuellen Stand der Zeitgeschichtsforschung entspricht. So wird beispielsweise ein fatalistisches Geschichtsbild vermittelt, das das Gefühl aufkommen lässt, dass ein aktives Eingreifen in die Geschehnisse der Zeit unmöglich gewesen sei und sich so die Frage nach Verantwortung und Unterlassung nicht stellt. Aus diesem und weiteren Gründen spricht sich Schrader gegen eine Lektüre des Buches im Deutschunterricht aus.

Auszeichnungen

Mildred-Batchel Award 1972 Sebaldus-Jugendbuchpreis 1961 Woodward-School-Book-Award 1971 Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis 1962

Schlagworte

Freundschaft Rassismus Krieg Flucht Antisemitismus Nationalsozialismus Judentum Jugendbuch Deutscher Jugendliteraturpreis mittel Integrative Mehrsprachigkeit Juden Hitler Damals war es Friedrich Mildred-Batchel Award Sebaldus-Jugendbuchpreis Woodward-School-Book-Award Friedrich jüdisch hebräisch Verfolgung Umstritten Schulbuchklassiker