¿Y entonces? Und nun?

2013, Amiguitos - Sprachen für Kinder, 45 Seiten
Deutsch, Spanisch
12 Jahre+
Finn-Ole Heinrich (Autor/in), Carlos Rodrigues Gesualdi (Autor/in), Juliane Buschhorn-Walter (Übersetzer/in), Claudia von Holten (Übersetzer/in), Eulalia Cornejo Coello (Illustrator/in)

Das Jugendbuch besteht aus zwei Kurzgeschichten, die die Gefühle von Scheidungskindern thematisieren: Gezeigt werden zwei Kinder unterschiedlicher Nation, die mit der neuen Situation umgehen müssen.

"Lisa ging lustlos zum Weihnachtsbaum, um das zu finden, was sie schon wusste …"

Zusammenfassung

Im Prinzip werden zwei Wege aufgezeigt, wie die Kinder diese neue Situation verarbeiten und versuchen, damit zu leben und/oder sich zu ändern.

Die erste Kurzgeschichte “Helm auf. El casco puesto.“

Ein deutscher Junge verkauft seine Spielsachen und leiht sich zusätzlich noch etwas Geld von seiner Mutter, um sich einen Skateboardhelm zu kaufen. Seit drei Wochen trägt er ihn schon, ohne ihn abzunehmen.

Unter dem Helm juckt es so sehr, dass er sich sogar blutig kratzt. Die Nachbarn, wie auch seine Mitschüler(innen), können dies nicht verstehen. Sie lachen ihn aus und hänseln ihn. Auch seine Mutter versucht alles, damit er ihn abzieht. Sie erzählt ihm Horrorgeschichten, dass er keine Haare mehr bekommen würde, sie schreit ihn an und schüttelt ihn - doch dem Jungen ist alles egal. Er kauft sich sogar ein Schloss, aus Angst ihm würde jemand den Helm abziehen, denn er möchte ihn so lange tragen, bis sein Vater zurückkommt und wenn er ihn bis zum Sankt Nimmerleinstag tragen muss.

Die zweite Geschichte „El año de las dos Navidades- Das Jahr der zweiten Weihnachten“

Lisa, ein argentinisches Mädchen, liebt Weihnachten über alles. Ihre ganze Familie versammelt sich, das Haus wird geschmückt, es gibt Geschenke, festliche Abendessen und die Menschen kümmern sich nicht nur um sich selbst.

Doch dieses Weihnachten ist anderes.

Ihre Eltern reden kaum noch miteinander und verbringen auch kaum noch Zeit zusammen. Keine Verwandten meldeten sich zum Besuch an, obwohl es nicht mehr lange bis Weihnachten ist.

Lisas Lieblingsfächer sind Chemie und Physik. Besonders gerne mag sie das Experimentieren, weshalb sie sich schon seit ein paar Jahren einen Chemiebaukasten wünscht. Dieser ist zwar teuer, enthält jedoch auch alles, was sie benötigt. Auch Ihre Lehrerin ist überzeugt davon, dass aus Lisa eine gute Chemieingenieurin werden würde. Bis jetzt fand ihre Mutter immer, dass sie noch zu klein dafür wäre, doch auch das ändert sich in diesem Jahr.

Eines Tages fängt ihre Mama, während einer Autofahrt, plötzlich an zu weinen. Sie setzt Lisa zu Hause ab, fährt ohne ein Wort zu sagen weiter und sucht sich eine eigene Wohnung.

Lisa und ihr Vater verbringen daraufhin das Weihnachtsfest allein, ohne Verwandtschaft, ungeschmückt und vor allem ohne ihre Mutter. Ihr Vater grillt Lisa wie gewollt Garnelen und schenkt ihr den gewünschten Chemiebaukasten. Am nächsten Tag holt ihre Mutter sie ab. In der neuen Wohnung gibt es ein Zimmer für Lisa, einen geschmückten Baum und ebenfalls den gewünschten Chemiebaukasten.

Heute, nach vielen Jahren, hat sich Lisa an das getrennte Leben ihrer Eltern gewöhnt. Doch sie sagt nie wieder, wie sehr sie Weihnachten lieben würde.

Rezension

Parallelübersetzung zu zwei Geschichten

Einordnung

Das Jugendbuch “¿Y entonces? Und nun?“ von Finn-Ole Heinrich und Carlos Rodrigues Gesualdi stellt eine Parallelübersetzung dar. Die erste Kurzgeschichte “Helm auf. El Casco Puesto.“ handelt von einem deutschen Jungen. Die Ursprungssprache ist somit auch Deutsch und wurde später von der Übersetzerin Juliane Buschhorn-Walter ins Spanische übersetzt. Die zweite Kurzgeschichte “El año de las dos Navidades-Das Jahr der zwei Weihnachten“ handelt von einem argentinischen Mädchen. Hier ist die Ursprungssprache Spanisch. Claudia von Holten übersetzte die Geschichte ins Deutsche.

Die Originalsprache steht immer links, die Übersetzung ist rechts abgedruckt. Sie sind also gut voneinander differenzierbar. Des Weiteren kann man die Sprachen anhand der Farben unterscheiden. Das Deutsche ist immer in schwarzer Schrift dargestellt, das Spanische in grüner Kursivschrift.
Das Jugendbuch kann von deutsch- und spanischsprechenden Schüler(inne)n zusammen gelesen werden, die gegebenenfalls die gleiche Situation zu Hause erleben. Hierdurch setzen sie sich gemeinsam mit solchen Situationen auseinander, stellen fest, dass es diese überall auf der Welt gibt und finden sich dabei in eine fremde Sprache und Kultur ein. Der Verlag empfiehlt den Roman zusätzlich für Spanisch-Lernende am Ende des dritten Lehrjahres.

Typische Scheidungsbilder werden wiedergespiegelt

Bewertung

Im Grunde genommen haben beide Geschichten kein Happy End. In der zweiten Kurzgeschichte wird deutlich, dass das argentinische Mädchen mit der Situation nach einiger Zeit leben kann. Jedoch empfindet sie, besonders zur Weihnachtszeit, einen tiefen Schmerz. Es entsteht das Gefühl, Scheidungskinder könnten nie wieder glücklich werden. Auch die Gestaltung des Buches spiegelt dies wieder. Die Bilder sind nur schwarz-weiß und es gibt düstere Illustrationen zu sehen, beispielsweise einen Totenkopf. Die von Anfang an ziemlich traurige Stimmung zieht sich durch das gesamte Buch hindurch. Der Leser bzw. die Leserin bekommt jedoch einen sehr guten Einblick in die Gefühle der Scheidungskinder. Es zeigt deren aussichtslose Lage und Hilflosigkeit. Besonders die zweite Geschichte spiegelt das typische Scheidungsbild wieder. Das Kind merkt, dass etwas nicht stimmt und macht sich selbst Vorwürfe. Die Eltern sprechen jedoch nicht ihm darüber. Aus diesem Grund sind die Kurzgeschichten auch besonders gut für Eltern geeignet, weil sie so die Gefühle der Kinder besser nachvollziehen können.

Das Buch weckt viele Emotionen. Außerdem zeigt es, dass dieses Thema nicht nur in Deutschland aktuell ist, sondern überall auf der Welt.

Durch die parallele Mehrsprachigkeit vermittelt es zusätzlich Sprachbewusstheit und Sprachaufmerksamkeit.

Zudem lassen sich am Ende ein Glossar, kleine Fragen zum Textverstehen sowie grammatische Aufgaben finden.

Schlagworte

Trennung Familie Sehnsucht Scheidung Parallelübersetzung Kurzgeschichten