Der Schrei des Löwen

2011, Carlsen Verlag GmbH, 288 Seiten
Deutsch
12 Jahre+
Ortwin Ramadan (Autor/in)

Der 16-jährige Yoba lebt mit seinem kleinen Bruder auf den Straßen Nigerias und träumt von einem besseren Leben in Europa. Als sie zufällig in den Besitz einer Tasche voller Geld kommen, scheint dieses Ziel zum Greifen nahe. Doch der Weg dorthin ist gefährlicher als gedacht.

„Er wusste, dass er sterben musste, und er wollte nicht, dass sein Bruder ihm dabei zusah. Chioke musste es einfach schaffen.“

Zusammenfassung

Nachdem ihre Mutter verstorben ist und sie aufgrund des Autismus von Chioke aus ihrem Heimatdorf fliehen mussten, leben der 16-jährige Yoba und sein zwölfjähriger Bruder als Straßenkinder in einer Stadt in Nigeria. Yoba träumt davon, mit seinem Bruder Afrika zu verlassen und zu seinem Onkel nach Europa zu gehen, der in einer Stadt namens Hamburg leben soll.

Um dieses Ziel zu erreichen, schließt sich Yoba einer Gang an, den Black Eagels. Doch bereits seinen ersten Auftrag, ein ehemaliges Mitglied zu töten, verweigert er. Und plötzlich steht er mit einer Tasche voller Geld da und ist auf der Flucht vor den Black Eagles. Das gibt für Yoba den entscheidenden Ausschlag, dem Leben auf der Straße zu entfliehen und die Flucht nach Europa zu wagen. Doch die Reise dorthin entpuppt sich bald als gefährlicher als er jemals erwartet hätte.

Nachdem die beiden Brüder es mit Mühe, viel Glück und einigen Bestechungen geschafft haben, von Nigeria über die Grenze nach Niger zu kommen, erwartet sie ein noch gefährlicherer Teil ihrer Reise. Wochenlang fahren sie in einem überfüllten, kaum fahrtauglichen Bus durch die Wüste Sahara. Viele Flüchtlinge sterben bei dieser Etappe. Doch Yoba und sein kleiner Bruder schaffen es bis an die Küste Libyens. Bei der Überfahrt nach Italien, die Erzählungen zufolge noch mehr Flüchtlingen das Leben kosten soll als die erbarmungslose Wüste, ertrinkt auch der 16-jährige Yoba. Sein kleiner Bruder kommt zwar in Italien an, wird aber vermutlich wieder nach Afrika abgeschoben.

Der 16-jährige Julian hat hingegeben ganz andere Probleme. Nach den Ferien wird er wohl von der Schule fliegen, auf die er aber sowieso keine Lust hat und nun wurde er auch noch zu einem Familienurlaub auf Sizilien mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester verdonnert. Das Hotel ist langweilig, auf den Strand hat er keine Lust und seine Familie nervt ihn. Die einzigen Lichtblicke sind die hübsche Adria und der Tauchkurs, zu dem ihn sein Vater angemeldet hat. Dies ändert sich, als er während eines Tauchgangs auf die Leiche eines ertrunkenen Flüchtlings und das bei ihm entdeckte Tagebuch eines nigerianischen Jungen namens Yoba stößt.

Rezension

Original zum Thema Flucht

Einordnung

Ortwin Ramadans Jugendbuch „Der Schrei des Löwen“ behandelt die Flucht eines 16-jährigen Jungen und seines kleinen Bruders, die in ihrer Heimat Nigeria keine Bleibeperspektive mehr sehen und sich daher in Europa ein besseres Leben erhoffen.

Das Jugendbuch ist fast durchgehend auf Deutsch verfasst. Nur partiell werden Ortsnamen oder Gerichte in der jeweiligen Landessprache sowie italienische Phrasen eingefügt.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive zweier Jugendlicher, der eine aus Nigeria, der andere aus Deutschland stammend. Obwohl beide im selben Alter sind, führen sie ganz unterschiedliche Leben und haben mit unterschiedlichen Problemen mehr oder weniger zu kämpfen. Somit kann der Einblick in das Leben von Yoba für die Situation vieler Flüchtlinge sensibilisieren und ein objektiver Vergleich angestellt werden.

Die Geschichte zweier Flüchtlinge, die exemplarisch für das Schicksal Vieler stehen kann

Bewertung

Im Nachwort des Jugendbuches, das Ortwin Ramadan im Februar 2010 verfasst hat, macht der Halb-Ägypter auf die Situation vor den Küsten des südlichen Europas aufmerksam. So versuchten beispielsweise 2008 rund 36 000 Flüchtlinge, vorwiegend aus Nigeria stammend, Italien über den Seeweg zu erreichen. Die EU reagierte auf diese Situation unter anderem mit stärkerer Überwachung seiner Seegrenzen und Zwangsrückführungen von Flüchtlingen.

Die Geschichte um Yoba und seinen autistischen Bruder kann als exemplarisches Schicksal für das so vieler andere Flüchtlinge gesehen werden. Auch sie versuchten, über den Seeweg das italienische Festland zu erreichen. Doch Yoba überlebte wie so viele andere Menschen diese Fahrt nicht und sein kleiner Bruder, der die Überfahrt wie durch ein Wunder überstanden hat, wird vermutlich wieder nach Afrika zurückkehren müssen.

Schlagworte

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