Persepolis - Eine Kindheit im Iran

2000, Edition Moderne, 160 Seiten
Deutsch, Englisch, Französisch, Persisch
12 Jahre+
Marjane Satrapi (Autor/in), Marjane Satrapi (Illustrator/in)

Die zehnjährige Marjane lebt im Iran zur Zeit der islamischen Revolution. Doch sie und ihre Familie möchten sich nicht unterwerfen und so erlebt sie eine Kindheit zwischen Auflehnung und Anpassung.

„Ich wusste nicht, was ich vom Kopftuch halten sollte.“

Zusammenfassung

Marjane, die Marji genannt wird, ist zehn Jahre alt, als der Schah aus dem Iran vertrieben wird und die Ayatollahs an die Macht kommen. Ihre Eltern demonstrieren wie viele andere auf den Straßen für Freiheit und gegen die islamische Diktatur, welche sich zu bilden droht. Zunächst sind sie hoffnungsvoll, da Marjis Onkel - ein Kommunist - aus dem Gefängnis frei kommt. Die Hoffnung auf Freiheit nimmt ein schnelles Ende, als die islamische Revolution einsetzt. Die Frauen müssen sich nun wieder verschleiern.
Marji ist ein rebellisches Kind, sie spielt die politischen Situationen mit ihren Freunden nach. Obwohl sie tief gläubig ist, versteht sie den Sinn des Kopftuchs nicht und lehnt sich dagegen auf. Sie sieht sich selbst als Prophetin und führt Gespräche mit Gott. Marji und ihre Familie sind gezwungen, sich widerstrebend anzupassen und zu lügen, was ihre politische Meinung betrifft. Als Teheran schließlich aufgrund des ersten Golfkriegs bombardiert wird, beschließen ihre Eltern, sie auf eine Schule nach Wien zu schicken. Inzwischen ist sie 14 Jahre alt. Band eins endet mit der Flughafenszene.

Rezension

Parallelübersetzung zu Heimatlosigkeit

Einordnung

Der Comic ist nicht primär auf Mehrsprachigkeit ausgerichtet, es finden sich jedoch vereinzelt persische Begriffe. Das Werk vermittelt zwar keine direkten Fremdsprachkentnisse, wird aber dennoch der Bezeichnung „interkulturelle Kinder- und Jugendliteratur“ gerecht, da ein Einblick in verschiedene Kulturen gewährt wird. Die Protagonistin wird im ersten Band mit der Situation konfrontiert, sich in der eigenen Heimat nicht mehr wohl zu fühlen. In Band zwei erfolgt anschließend der Kontakt mit der westlichen Kultur/Welt, in welcher sich die Protagonistin zurecht finden muss. So ermöglicht die Lektüre nicht nur den Einblick in die persische Kultur und Geschichte, sondern erzählt auch vom inneren Gefühlschaos, welches Jugendliche erleben, wenn sie sich plötzlich in einer anderen Kultur wieder finden und zeitgleich mit den täglichen Problemen der Pubertät zu kämpfen haben.

Durch Comicform werden „Lesemuffel“ nicht abgeschreckt

Bewertung

Der Comic „Persepolis“ ist schwarz-weiß gestaltet und enthält symbolkräftige Illustrationen. Die politische Situation im Iran zur Zeit der Islamischen Revolution wird detailliert geschildert. Dabei unterscheidet die Autorin jedoch zwischen „modernen Muslimen“ und Fundamentalisten. Wie sie im Vorwort erwähnt, möchte sie nicht, dass Vorurteile entstehen. Man erhält des Weiteren einen Einblick in die persische Kultur.

Durch die Comicform werden „Lesemuffel“ unter den Schüler(inne)n nicht abgeschreckt. Der Comic beinhaltet außerdem ein breites Themenspektrum vom Erwachsenwerden und Identitätsfindung über Glauben, Exil und Krieg bis hin zu dem Gefühl der Heimatslosigkeit.
Es ist der Autorin mit ihrer Autobiographie bestens gelungen, einen Einblick in die Gefühlswelt von jungen Menschen zu geben, welche sich gegen politische Zwänge auflehnen und deshalb  ihr Land verlassen. Weiterhin ist ein wichtiger Aspekt, welcher sehr deutlich wird, dass es mit der Flucht aus der Heimat noch nicht getan ist, denn im Ankunftsland warten viele neue Herausforderungen, die es zu bewältigen gibt.

Medien

Filmausschnitt

Auszeichnungen

Coup de Coeur des Festival d'Angoulême f.d. 1.Band 2001 Max-und-Moritz-Preis, Comic-Salon Erlangen 2004 Comic des Jahres auf der Frankfurter Buchmesse 2004

Schlagworte

Identität Heimat Krieg Islam Iran Exil