Im Regen stehen

2000, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 224 Seiten
Deutsch, Kroatisch, Serbisch
12 Jahre+
Zoran Drvenkar (Autor/in)

Der jugoslawische Junge Zoran kam als Kind nach Deutschland. Zoran erzählt, wie er gemeinsam mit seinen Freuden sein Leben meistert, von Höhen und Tiefen, von Fußball und Mädchenbekanntschaften.

„Ich war ein Kroate und lebte in Berlin.“

Zusammenfassung

"Im Regen stehen" handelt von Zoran, einem jugoslawischen Jungen, der als Kind mit seinen Eltern nach Deutschland kommt. Teils im Zeitraffer, teils ausführlich werden fast zehn Jahre seines Lebens im Berlin der 70er Jahre dargestellt.

Mit autobiografischen Elementen beschreibt der Autor Zorans Kindheit, die sich größtenteils auf der Straße und dem Fußballplatz abspielt. Er erzählt von Abenteuern, Auseinandersetzungen und Problemen mit Freunden, von Konflikten mit den Eltern, die ihn in der Schule unter Druck setzen, ansonsten aber wenig Zeit für ihn haben. Auch die Trennung seiner Eltern und die dadurch hervorgerufene Depression der Mutter ist ein Thema.

Vor allem die Freundschaft der Jungen in Zorans Clique ist zentral - sie scheint für die Ewigkeit. Doch schon als Zoran als einziger der vier auf ein Gymnasium geht, zeichnet sich ein Auseinanderleben ab. Die Jungen kommen in die Pubertät, Mädchen werden wichtiger, die gemeinsame Zeit wird weniger. Als dann noch der gemeinsame Fußballplatz wegen Baumaßnahmen weichen muss, scheint die Kindheit ein Ende gefunden zu haben. Jeder geht seinen eigenen Weg, Werte und Einstellungen driften auseinander, genauso wie die Freundschaft der Jungen.

Rezension

Interkulturelles Jugendbuch mit serbokroatischen Elementen

Einordnung

Der Roman enthält wenige mehrsprachige (serbokroatische) Elemente, er kann jedoch trotzdem als interkulturelles Jugendbuch angesehen werden - wenn auch nicht im "klassischen" Sinne. "Im Regen stehen" beschreibt das Leben eines Jungen in einer multikulturellen Clique (vier Jungen, alle Ausländer). Anders als andere Autoren interkultureller Literatur geht Drvenkar jedoch einen neuen Weg und problematisiert das Thema "Migrant" als solches nicht. Er geht auf Probleme ein, die jeder Junge in Zorans Alters hat - unabhängig von Herkunft und Kultur. Die erste Liebe, Konflikte mit Eltern und Freunden sind schwierig für jedermann, egal ob man türkisch, chinesisch, deutsch oder kroatisch ist. Somit leistet Drvenkar seinen Beitrag zur Interkulturalität dadurch, dass er gar nicht erst auf typische „Migrationsprobleme“ eingeht - das Wort "Ausländer" erwähnt er erst gar nicht. Multikulturalität ist für den Autor augenscheinlich etwas völlig Selbstverständliches, nicht nötig, darüber viele Worte zu verlieren.

Neben dieser Herangehensweise an das Thema "Interkulturalität" erwähnt Drvenkar auch, wie sich ein Migrant fühlt, wenn er nach vielen Jahren in seinem neuen Heimatland das Geburtsland seiner Familie besucht. Hier ist er oftmals der Fremde, wird trotz der gleichen Nationalität oft wie ein Ausländer behandelt.

Lebensnah – schonungslos aber auch humorvoll

Bewertung

„Im Regen stehen“ wirkt authentisch durch direkte, humorvolle und jugendnahe Sprache. Der Autor verarbeitet in der Erzählung Elemente aus seinem eigenen Leben, wodurch die Geschichte sehr lebensnah wirkt. Die Handlung erstreckt sich über einen sehr großen Zeitraum von fast zehn Jahren, teils im Zeitraffer dargestellt, teils ausführlicher beschrieben. Da das momentane Alter des Protagonisten und die Zeit manchmal nur am Rande erwähnt werden, ist es stellenweise schwierig, den roten Faden nicht zu verlieren. Durch einige Stilmittel wird das Erzählte auch literarisch anspruchsvoll.

„Im Regen stehen“ scheut sich nicht, schonungslos auch harte Realitäten darzustellen. Zartbesaiteten Charakteren werden die Schilderungen von Gewalt, Kriminalität und Vergewaltigung eventuell unzumutbar erscheinen. Falls das Buch im schulischen Kontext verwendet werden soll, sollte daher sorgfältig geprüft werden, ob die Schülerinnen und Schüler „bereit“ dafür sind.

Schlagworte

Freundschaft Identität Familie Interkulturalität