Zimtküsse

2012, Fischer Taschenbuch Verlag, 288 Seiten
Deutsch, Türkisch
12 Jahre+
Deniz Selek (Autor/in)

Die 14-jährige türkisch-deutsche Sahra hat keine außergewöhnlichen Probleme: Die Trennung ihrer Eltern und eine unbeantwortete Liebe. Sie entflieht der Situation nach Istanbul zu ihrer Oma.

„Ach Kizim, endlich bist du wieder da! Wie schön, dich zu sehen!“

Zusammenfassung

Der Roman „Zimtküsse“ erzählt die Geschichte eines 14-Jährigen Mädchens namens Sahra, das in Hannover geboren und aufgewachsen ist, jedoch ihre Wurzeln in der Türkei hat. Sie ist die Tochter eines türkischen Bauingenieurs und einer deutschen Fachhochschuldozentin.

Als sie eines Tages von der Trennung ihrer Eltern erfährt, bricht für Sahra eine Welt zusammen. Sahra ist wütend auf ihre Mutter, sie kann nicht nachvollziehen, dass sich ihre Mutter in eine Frau verliebt hat. Zudem beschäftigt sie noch ein ganz anderes Problem: Ihr heimlicher Schwarm Karl interessiert sich nicht für sie, sondern für ihre beste Freundin Katta. Karl und Katta findet sie „Kacke“. Sie hat genug und flüchtet in Absprache mit ihrem Vater vorzeitig in die Ferien zu ihrer Oma nach Istanbul.

In ihrer zweiten Heimat angekommen, wird sie von ihrer türkischen Familie herzlich empfangen. Sahra erlebt in Istanbul schöne Ereignisse und fühlt sich bei ihrer Oma und ihren Verwandten sehr wohl, so dass sie anfänglich alle Sorgen vergisst. Nach einer Weile vertraut sich Sahra ihrer Oma an und erzählt ihr von ihren Ängsten. Ihre Großmutter kümmert sich liebevoll um sie und macht mit ihr einen Ausflug zu einem besonderen Ort. Dort vertraut sie ihr ein Geheimnis an. Sahra entwickelt ein Verständnis dafür, dass Liebesentscheidungen nicht rational begründet sind. Die Ferien neigen sich dem Ende zu und Sahra fliegt ängstlich und erwartungsvoll zurück nach Hannover.

In Hannover angekommen, erfährt Sahra vom Auszug ihrer Mutter. Am nächsten Morgen steht Katta bei Sahra im Zimmer. Beide führen ein Gespräch und vertragen sich wieder. Später besucht Sahra ihre Mutter in der neuen Wohnung und führt mit ihr ein klärendes Gespräch. Auch Sahras Liebesleben erfährt einen Wandel: Tiago, ein Nachbarsjunge, feiert seinen Geburtstag. Katta ist bei Sahra zu Besuch und möchte unbedingt zu dieser Party gehen. Nach langem Abwägen gehen die beiden Freundinnen zu Tiagos Party. Tiago und Sahra verstehen sich blendend. Am nächsten Tag lädt Tiago Sahra zum Frühstück ein, beide kommen sich näher und es kommt zu einem zimtigen Kuss.

Rezension

Geschichte zum Thema Bikulturalität mit vereinzelten türkischen Textelementen

Einordnung

Bei dem Jugendroman „Zimtküsse“ handelt es sich bei der Form der Mehrsprachigkeit um eine Sprachmischung. Der Text ist weitgehend in der deutschen Sprache verfasst, weist jedoch vereinzelt türkische Textelemente auf. Die Autorin stellt ein Glossar zur Verfügung, um den Leser(inne)n die Bedeutung der türkischen Begriffe heranzuführen. Somit muss der Leser/die Leserin nicht zwingend mehrsprachig ausgestattet sein, um den Text verstehen zu können.
Die gewählte Form der Sprachmischung weist auf die Bikulturalität des deutsch-türkischen Mädchens hin. Die Verwendung der einzelnen türkischen Textelemente unterstreicht den Aspekt der Kultursensivität, sodass die verschiedenen kulturspezifischen Rituale, Symbole und Werte, welche als türkische Textelemente erscheinen, an Bedeutung gewinnen. Zwei verschiedene Kulturen werden durch die Mehrsprachigkeit des Textes miteinander verknüpft, sodass der Leser/die Leserin sein Sprach- und Kulturverständnis erweitern kann.

Vorurteile können abgebaut werden

Bewertung

Der Jugendroman „Zimtküsse“ ermöglicht den Leser(inne)n einen Einblick in eine offene und gebildete deutsch-türkische Familie, die vorurteilsbehaftete Klischees nicht bestätigt. Überraschend modern erscheint die Familie in ihrer Lebensweise und Erziehungsform. Als Leser(in) wird man in zwei völlig verschiedene Sprachkulturen entführt. Die Autorin schafft sprachlich eine orientalische Atmosphäre, die durch die moderne Stadt Istanbul mit seinen Märkten, Gewürzen und der türkischen Sprache charakterisiert ist.
Der Text eignet sich optimal für den Schulunterricht, um den Schüler(inne)n die Bedeutung der Mehrsprachigkeit in der Gesellschaft zu verdeutlichen, aber auch, um Vorurteile gegen andere Sprachkulturen aufzuheben. Zudem ermöglicht der Roman für junge Mädchen ein hohes Identifikationspotenzial mit der weiblichen Figur Sahra. Allgemein spricht der Inhalt des Jugendromans viele Jugendliche an, die sich mit Pubertäts- und Familienproblemen auseinandersetzen.

Medien

Hörprobe

Schlagworte

Freundschaft Scheidung